Wupperman-Hallen – neues Quartier für Pinneberg?

Stadt- und Quartiersentwicklung – seit vielen Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit den Fragen des städtebaulichen Wandels und betreuen u.a. das Quartier Phoenixhof mitten in Altona in Punkto nachhaltiger Kommunikation und Positionierung. Über den Phoenixhof, der in Altona als Modell eines erfolgreichen innerstädtischen Arbeitsquartiers wahrgenommen wird, sind wir jüngst mit einer weiteren Quartiers-Herausforderung ins Gespräch gekommen: den Wupperman’schen Hallen in Pinneberg.

Pinneberg: Die Kreisstadt steht nicht unbedingt im Ruf, eine Stadt mit überragendem Charme zu sein. Das war durchaus mal anders: Im Kaiserreich galt Pinneberg als beliebtes Ausflugsziel mit hübschen Villen, Gaststätten und Pensionen. Nach der Eisenbahn-Anbindung und der Eingliederung ins dänische Zollgebiet siedelten sich auch zunehmend Fabriken an. Unter den Industriellen war einer, der die Stadt gegen Ende des 19. Jahrhunderts besonders stark prägen sollte: Herman Wupperman.

Hintergründe zu dem Projekt

1878 übernahm der in Texas geborene Unternehmer das Union-Eisenwerk, welches damals finanziell in Schieflage geraten war. Er führte die moderne Massenproduktion ein und baute die Fabrik so zu einem der größten Emaillierwerke Europas aus. Wupperman war nicht nur geschäftstüchtig, sondern galt auch als sozialer Arbeitgeber. Seine Beschäftigten wurden überdurchschnittlich bezahlt und profitierten von diversen  Wohlfahrtseinrichtungen, die Wupperman aufbaute – darunter eine Unfallversicherung, eine Arbeiterrentenstiftung sowie eine Betriebs- und Familienkrankenkasse. Im alten Pinnebergerdorf ließ Wupperman 1891 eine Siedlung errichten. 120 Wohnungen mit günstigen Mieten entstanden an der Herman- und an der Ottostraße. Im Gegensatz zur Fabrik an der Schauenburger Straße, von der heute nichts mehr zu sehen ist, sind die Wohngebäude erhalten geblieben. In Pinneberg erinnert heute nicht mehr viel an Herman Wupperman.

Jahrzehntelang wurde es sehr still um die Immobilien an der Hermanstraße. Nun kommt Bewegung in die Sache: Medienberichteten zufolge will ein Investor hier neuen Wohnraum schaffen. Dies würde einen Abriss der Industriebrache bedeuten und ein sozial-historisch bedeutsames Ensemble norddeutscher Industriearchitektur verschwinden lassen. Eine Initiative engagierter Menschen aus Pinneberg will sich mit diesem Szenario nicht anfreunden und strebt den Erhalt des Ensembles an. Zunächst gilt es ein Gesamtkonzept einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen und das enorme Potenzial der Gebäudekomplexe für eine nachhaltige Stadtentwicklungspolitik zu verdeutlichen.

 

0 88